Wieder einmal ein kleiner agressionsabbauender Beitrag zu meiner schulischen Laufbahn, genauer zu Politik und Wirtschaft. Ehrlich, ich mag das Fach wirklich und fühle mich dementsprechend interessiert, aber das vergangene halbe Jahr bestand aus einer reinen Folter. Ungerechte Noten, merkwürdige Unterrichtsmethoden, ständige Meinungswechsel der Lehrkraft (inklusive subjektiver Einschätzungen der Weltwirtschafts- und Politiklage) seien da nur einige der kleineren Übel. Jetzt aber habe ich echt genug.
Normalerweise müssten wir in jedem Halbjahr zwei Klausuren schreiben. Wegen Stoffmangel und Zeitdruck ersetzten wir die zweite durch eine Hausarbeit zum Thema Wirtschaftslehre (oder, genauer, die Theorien von Keynes und Friedman, wenn das jemanden interessiert). Diese sollte übrigens mit zehn Seiten Fließtext eine sehr, sehr freie Aufgabenstellung abdecken:
“Erarbeiten Sie für die nachfrageorientierte wirtschaftspolitische Richtung die theoretischen Grundlagen. Beachten Sie dabei folgenden Schritte: Begründer, historischer Hintergrund der Entstehung, grundlegende Idee. Erläutern Sie beispielhaft mögliche Maßnahmen / Instrumente und deren Wirkungsweise anhand des Wirtschaftskreislaufs, zeigen Sie Chancen und Grenzen!”
Wie der Wortlaut bereits vermuten lässt, stammen diese Anforderungen wie sooft aus dem Lehrheft eines bekannten Politik-Verlages und sind eigentlich für einen kurze, maximal zwei- bis dreiseitige Bearbeitung erdacht worden. Aber gut, nach einiger Zeit wurde die geforderte Seitenzahl dann doch noch auf fünf gesenkt, ich will nichts sagen. Meine persönliche Arbeit findet ihr hier:
John Maynard Keynes’ Wirtschaftstheorie.
Heute erhielten wir die bewerteten Arbeiten dann zurück, und genau daher rührt auch mein Ärger. Ich spreche jetzt gar nicht von der allgemeinen Notengebung, sondern vielmehr von der Art und Weise der Bewertung bzw. der Kompetenz der Bewertenden. Mit 13 Punkten bin ich zwar unzufrieden (nach der Menge Aufwand, die ich in die Sache gesteckt habe), aber das ist okay. Vielmehr stört mich, dass sie (die namenlose Lehrerin, ahoy) die Theorien anscheinend selbst nicht genau verstanden und noch dazu die Arbeit gar nicht genau gelesen hat. Das fiel mir wieder extrem auf, als sie mich nach draußen zur Besprechung rief und die “Mottos unter den Überschriften” als “nette Idee” bezeichnete. Dass es sich dabei um Zitate von Keynes handelte, war ihr nicht aufgefallen. Weiterhin war sie der Meinung, dass Keynes doch für den Kapitalismus sei, ich hätte das alles ziemlich überspitzt dargestellt. Sich einfach mal das passende Zitat (auf Seite 4, für Interessierte) durchzulesen – darauf kam sie nicht einmal. Überhaupt sei meine persönliche Ansicht der Dinge stellenweise ein wenig zu präsent, mein Schreibstil zu hoch gegriffen für einen solchen “Aufsatz”.
Wie auch immer.
Brrr. Ärger weg.