Oliver Koletzki – U-Bahn (feat. Axel Bosse)
Die kleinen Lichtblicke am völlig übermüdeten Morgen. Bosse, immer noch einer meiner meistgeliebten deutschen Indie-Vertreter, ließ sich breitschlagen, für Oliver Koletzkis neues Album Grossstadtmärchen einen Track zu besingen. Das Ergebnis ist, wie von Bosse zu erwarten, ein wenig düster, melancholisch und doch irgendwie hoffnungsvoll. Auch die hinterlegenden Electro-Sounds können sich sehen lassen.
Oliver Koletzki -- U-Bahn (feat. Axel Bosse).
Dieser Tunnel riecht nach Kippen, Dreck und Teer. Ich wünsch mir oft er führte raus zum Meer, aber in diesem unterirdischen Gefährt gibt’s keinen Weg ins Freie. Zu Tausenden rumpeln wir voran, wie Schweine in ‘nem LKW zum Schlachthof. Dicht nebeneinander, Haut an Haut, und wollen nur zurück ins Bett.
U-Bahn, U-Bahn fahren.
Es ist Montag morgen und wir sehen schlecht, diese Zeit ist mehr als ungerecht. Aus dem Bett, durch die Welt in den Wagon, und keiner hier hat Bock drauf! Wir sind Banker, Schüler, Junkies, Kontrolleure, wir sind Killer, Bettler, Staatssekretäre. Im Bauch der U-Bahn sind wir alle gleich, die Augen zu und die Gesichter bleich.
U-Bahn, U-Bahn fahren.
Und wir bleiben stecken zwischen Kotti, Tag und Spree, uns tun die Blasen und die Lungen weh. Wir suchen Notausgänge Richtung Licht, zwischen tausend Volt und Gleichgewicht. Und wir sind umringt von Gleisen, wir sind still und leise. Da hinten kommt ein gelber Zug, Achtung, er hupt!
U-Bahn, U-Bahn fahren.
Meine morgendlichen Bahnfahrten haben wieder einen Sinn.
